Gottesdienst am Karfreitag 10.04.2020 OHNE in der Kirche anwesende Gemeinde

Evangelium Lieder und Texte zur Sterbestunde Jesu eingesungen von unserer Kirchenmusikerin Anja Simon und gelesen von Pfarrerin Manuela Michaelis.

 
Zurück zum Gottesdienst
 

Karfreitag 2020 

Lieder eingesungen von Anja Simon

Texte gelesen von Manuela Michaelis 


Begrüßung

Anders – das ist vielleicht das Wort, dass über den Kar-und Ostertagen 2020 steht. Es ist anders in diesem Jahr. Anders als wir es gewohnt sind. Wir können nicht in der Kirche zusammenkommen und des Leidens und Sterbens Jesu gedenken und seine Auferstehung feiern. Aber wir können das vereint in Jesus Christus alle zuhause tun. Wir haben deshalb für Karfreitag Lieder und Texte aufgenommen, die sie gleich hören werden und so mit uns Gottesdienst feiern können. Wenn sie mögen, können sie dazu eine Kerze anzünden und wenn sie haben, ein Kreuz aufstellen. Im Gottesdienst hören wir Lieder und Lesungen aus Bibel und Gesangbuch (Singt von Hoffnung und Evangelisches Gesangbuch EG), wenn sie beides zuhause haben, können sie sich auch das zurechtlegen. 


Karfreitag – ein Tag der es uns nicht leicht macht. Wir sehen auf das Kreuz Jesu, das stellvertretend steht für die Kreuze damals, heute und morgen. 


Karfreitag – das heißt: stille halten, bedenken und aushalten.


Aber auch dieser Karfreitag im Namen Gottes

Quelle und Ursprung unseres Lebens.

Halt und Trost unseres Seins.

Hoffnung und Zukunft für alle Zeit.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft.


Wochenspruch (Joh 3,16): So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. AMEN


Psalm 22 EG 709

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. 4 Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. 5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. 6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.. 12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. 20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!


Lied: Singt von Hoffnung 10,1.2.4 Christi Kreuz vor Augen


Gebet 

Lasst uns beten:

Mach uns stumm jetzt, Gekreuzigter, aufmerksam für Schmerz und Leid. Damit wir nicht wegschauen müssen, fliehen zu den zahllosen Glücksbringern dieser Welt. 

Mach uns aufmerksam, Gekreuzigter, für dich dort am Kreuz. Lass uns hinschauen mit wachem Herzen. Lass uns hinhören, wenn das Leid in dieser Welt unüberhörbar ist.  

Lass uns auch hören auf unseren eigenen Schmerz. Krumm- und Dummheiten lass uns achten, getrost und freundlich und frei – weil du sie am Kreuz zu dir genommen hast. 

Dir sei Ehre in Ewigkeit. Gemeinde: Amen


Lesung Joh 19,16-30 

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, 17 und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23 Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.


Lied: EG 351,1.7.13 Ist Gott für mich so trete


Gedanken 

In der Zeitschrift „Die Zeit“ hat sich die Autorin Antje Schrupp einmal Gedanken über den ihrer Meinung nach schrägen Feiertag Karfreitag gemacht. Sie gesteht ganz offen, dass sie von all den christlichen Theologien und Liturgien für diesen Tag nicht viel hält. Und doch: sie möchte ihn auch nicht abschaffen. Sondern sie versucht, dem Tag für Nicht-Christen einen Sinn zu geben. 


Dabei orientiert sie sich an einer Idee von 5 Schweizer Aktivistinnen. Diese leiten das Wort „Kar“ vom althochdt. „Kara“ ab, was so viel bedeutet wie Klage, Trauer, Sorge und verwandt ist mit dem englischen „Care“. Frau Schrupp fordert einen Care –Tag, bzw. eine ganze Care-Woche. Denn sie sieht, dass das sich „umeinander Sorgen“ in unserer Welt sehr im Argen liegen.  


Doch für sie ist da kein Gott, der rettend eingreift. Sie schreibt: Gott ist tot, weil wir Menschen einander an Kreuze nageln. Weil wir andere in Kriegen bombardieren, in Meeren ertrinken lassen, durch unüberwindbare Grenzen von rettenden Lebensressourcen abschneiden. Weil wir es zulassen, dass Menschen aus Armut verzweifeln, durch Gleichgültigkeit in Vergessenheit geraten, vor Einsamkeit depressiv werden. 

Und sie kann sich vorstellen, dass der Karfreitag ein Feiertag der Art wird, an dem wir uns die brutale Realität der Menschheit vor Augen führen. Ein Tag im Jahr, an dem wir kollektiv nicht die Augen vor dem Elend verschließen. Ein Tag, an dem wir nichts beschönigen, sondern hinschauen, wie das Blut fließt, auch wenn es uns erschreckt und Angst macht. Nicht, um uns schuldig zu fühlen. Sondern um uns der Wirklichkeit zu stellen. Ein Tag, an dem wir nicht behaupten, schnelle Lösungen zu haben, wenn uns nur mal jemand machen ließe. Sondern ein Tag, an dem wir es aushalten, keine Lösung zu haben. 


Ich finde die Idee, solch einen Tag im Bewusstsein unserer Gesellschaft zu verankern grundsätzlich sehr gut. Aber ich fürchte mich vor dem Gedanken, ihn loszulösen vom Kreuzestod Jesu. 


Es gibt so viele sinnlose Tode auf der Welt. Menschen, die bei Attentaten sterben. Menschen, die durch Profitgier sterben. Menschen, die im Bombenhagel sterben. Es gibt keine Erklärung dafür und wir dürfen sie nicht rechtfertigen. Sie erschüttern unser Weltbild. Und unser Bild von uns selbst. Und vielen Menschen macht diese Grausamkeit – diese Respektlosigkeit vor dem Leben anderer - Angst. 


Und gerade deshalb möchte ich da nicht stehenbleiben, wo die Autorin stehenbleibt. 


Wir gedenken Karfreitag eines weiteren sinnlosen Todes. Des Todes Jesu am Kreuz. Er steht stellvertretend für alle sinnlosen Tode. Wenn wir an Jesu Tod denken, denken wir auch an sie. Doch wir denken auch daran, dass Gott selbst in diesem Leiden ist. Jesus, in dem sich Gottes Liebe und Gottes Ja zu den Menschen zeigte, lebt vor, wie Gott selbst ist: gemeinschaftstreu trotz aller Anfeindung. Ja-sagend, auch wenn wir nein sagen. Keiner ist allein in seinem Leiden. 

Das sind die große Stärke und die große Wahrhaftigkeit des Christentums. Dass es sich dem sinnlosen Tod stellt. Auch wenn es vielen als Torheit erschien, haben die ersten Christinnen die Schrecken des Todes Jesu nie verheimlicht. 

Das Christentum möchte kein Leid dieser Welt kleinreden. Aber Christinnen und Christen haben eine Kraft, die ihnen hilft, sich vom Leid anderer anrühren zu lassen, mitzuleiden und mitzutragen. 


Paul Gerhardt hat diese Worte in seinem Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ niedergeschrieben. In der 6.Strophe heißt es: Ich will hier bei dir stehen,/ verachte mich doch nicht;/ von dir will ich nicht gehen,/ wenn dir dein Herze bricht;/ wenn dein Haupt wird erblassen/ im letzten Todesstoß,/ alsdann will ich dich fassen/ in meinem Arm und Schoß.


Lied: EG 65 Von guten Mächten 


Fürbitte

Wir können vor Gott treten und ihr das Leid dieser Welt klagen. Wir können für andere bitten. Lasst uns Fürbitte halten: 


Gott, wir klagen über alle Bosheit und alles Leid in dieser Welt. Lass uns das Unrecht sehen. Hilf uns, unser eigenes Leid anzunehmen und fremdes Leid mitzutragen. 


Gott, wir klagen dir Willkür und Profitgier in dieser Welt. Lass uns denen helfen, die zu Opfern werden und sich nicht selbst wehren können. Lass uns den Reichtum dieser Welt viel besser verteilen. 


Gott, wir sehen wie hart und erbarmungslos Menschen miteinander umgehen. Bewahre uns vor Selbstgerechtigkeit und hilf uns zu einem barmherzigen und aufrichtigen Leben. 

Gott, wir sehen gerade so viel Leid, dass durch das Coronavirus ausgelöst wird. Wir bitten dich für alle Infizierten und alle Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Gib Heilung, wenn es sein kann. Stärke die Pfleger und Ärztinnen in den Krankenhäusern und schütze sie vor dem Virus. Und lass uns solidarisch sein mit anderen Ländern dieser Welt, dass wir gemeinsam um das Leben der Menschen dieser Welt kämpfen und jeder die gleichen Chancen hat. 

Zu dir beten wir wie es uns dein Sohn Jesus Christus gelehrt hat: 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.